Zum Hauptinhalt springen
Unternehmen neu gedacht  

Beim Tempo, mit dem KI voranschreitet, ist jede Standortbestimmung bereits überholt, kaum ist der letzte Buchstabe getippt. Versuchen wir es trotzdem (ohne Anspruch auf Vollständigkeit); schliesslich hat es unter anderen auch die Raiffeisenbank getan. Deren Studie vom April 2025 in einer Nussschale: Der Hype ist da, das Potenzial gross, Private benützen sie häufiger als Unternehmen, die Produktivitätssteigerung ist noch klein, die Anwendungsmöglichkeiten sind interessant. Und klar ist: KI-Nutzung wird zum Wettbewerbsvorteil.

Aber: «Der Hype um KI kann dazu führen, dass Unternehmen KI als Verkaufsargument missverstehen. KI ist jedoch keine Zutat, die man beimischen kann und die aus einem guten Produkt ein noch besseres macht», ist auf dem KMU-Portal des Seco zu lesen. Es ist doch wie immer: Neue Instrumente und Technologien sollen wohlüberlegt und strategisch eingesetzt werden. Ansonsten gibts nur viel Lärm um nichts, hohe Kosten, geringer Nutzen.

Die Haltung gegenüber KI ist laut Raiffeisen – trotz zögerlicher Implementierung – mehrheitlich positiv – zumindest auf Unternehmerseite. 54 Prozent der Schweizer KMU sahen 2024 die Technologie als Chance, nur 11 Prozent als Gefahr. In der breiten Bevölkerung war die Stimmung 2023 weniger gut: Gemäss einer Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte fürchteten 43 Prozent der Befragten, aufgrund von KI ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Ganz unbegründet ist diese Angst nicht. Eine Studie des Think Tanks Avenir Suisse rechnet damit, dass in der Schweiz künftig etwa 490’000 Büroarbeitskräfte in direkter Konkurrenz mit KI stehen könnten. Dabei sind Branchen mit einem hohen Anteil an Bürojobs wie Finanzwesen, IT und Kommunikation naturgemäss stärker betroffen als die Landwirtschaft, die Gastronomie oder der Bau.

Gemäss einer AXA-Studie (KMU-Portal Seco, November 2025) setzen bereits mehr als ein Drittel (34%) der befragten Unternehmen KI zur Automatisierung bestimmter Arbeitsschritte ein (gegenüber 23% im Jahr 2024), während 32% sie zur Datenanalyse verwenden (22% im Vorjahr). Die Akzeptanz dieses Tools nimmt auch in Bereichen wie gezielte Werbung (24% / +9) oder Kundenbeziehungsmanagement (20% / +4) zu.

«Menschliche und organisatorische Faktoren sind entscheidend, um das Potenzial von KI voll auszuschöpfen.»

Prof. Dr. Evangelos Xevelonakis, Leiter Center for Data Science & Technology HWZ

Generative KI vs. Datenanalyse

Gemäss einer Befragung der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) und der Swisscom (Schweiz) AG, Data & AI Consulting, die im Februar 2025 veröffentlicht wurde, zeigen die Generative KI und die Datenanalyse die höchsten Adaptionsraten (38 % bzw. 35 %) bei Schweizer KMU. Die häufigsten Anwendungsfälle sind Texte generieren/editieren, Marketing sowie Prozessautomatisierung. Fast die Hälfte dieser Anwender sind in den Bereichen Technologie, Transport und Logistik, Dienstleistungen oder Fertigung tätig; die Sektoren Versorgung, Landwirtschaft und Wissenschaft weisen die niedrigste Adaptionsrate auf.

Generative KI werden grösstenteils von medizinischen und sozialen Diensten, dem Einzelhandel, Baugewerbe, in Verwaltungen und unterstützenden Dienstleistungen eingesetzt. Diese fünf Branchen repräsentieren 60 % der Unternehmen, die generative KI bereits einsetzen oder deren Einführung prüfen. Landwirtschaft, Versorgungsunternehmen sowie Kunst und Unterhaltung weisen die niedrigsten Adaptionsrate auf.

SAIROP – eine wertvolle Informationsquelle für KMU

Die KI-Landschaft in der Schweiz ist fragmentiert. Für KMU kann es daher schwierig sein, verlässliche Informationen zu finden und geeignete Ansprechpartner zu identifizieren. Hier setzt die Schweizer KI-Plattform SAIROP zur Förderung der Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz in der Schweiz an. Die Plattform wurde im Juni 2022 lanciert und bietet seitdem einen strukturierten Einblick in die KI-Forschungslandschaft in der Schweiz. SAIROP ist eine Initiative zahlreicher Partnerorganisationen und wird von der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW betrieben. Als offizieller Partner des Kompetenznetzwerks für künstliche Intelligenz CNAI des Bundes unterstützt SAIROP den Austausch zwischen Forschenden und der Bundesverwaltung, um den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken.

KMU finden auf der Plattform sowohl mögliche Forschungspartner als auch Dienstleistende, die sie bei ihren KI-Projekten unterstützen können. Die Organisationen auf SAIROP zeigen ihre Kompetenzen dort in Form von bereits durchgeführten Projekten und Angeboten auf. Letztere reichen von gemeinsamen Innovationsprojekten über klassische Beratungsleistungen bis hin zu Workshops, Weiterbildungen und Förderungsmöglichkeiten. Darüber hinaus bietet SAIROP eine Übersicht über KI-Veranstaltungen, an denen KMU sich informieren und vernetzen können.

Diesen Artikel teilen